„Würde wahren“ ist ein klares Versprechen:
Wir schützen Menschen, die auf der Straße leben!
„Würde wahren“ ist ein klares Versprechen: Wir schützen Menschen, die auf der Straße leben – vor Bloßstellung, vor Gefährdung und vor dem Gefühl, nur noch Motiv vor einer Linse zu sein. Es geht nicht um PR, nicht um Reichweite, nicht um das nächste rührende Video. Es geht um Menschenrechte im Alltag. Um den Grundsatz, dass die Würde des Menschen unantastbar ist – auch dann, wenn jemand auf dem Boden sitzt, schläft, betrunken wirkt, krank ist oder um Hilfe bittet.
Die Kampagne richtet sich an alle: Passantinnen, Helfer, Vereine, Medien, Content-Creator, Schulen, Stadtgesellschaft. „Würde wahren“ sagt: Keine Bilder von Menschen in Not – keine Schlafplätze zeigen – keine Klicks auf Kosten der Schwächsten. Helfen ja. Zur Schau stellen nein.
01
Wer Schlafplätze, Gesichter, eindeutige Orte oder markante Kleidung zeigt, macht Menschen auffindbar. Das kann zu Belästigung, Diebstahl, Vertreibung und Gewalt führen. Gewalt gegen Wohnungs- und Obdachlose nimmt seit Jahren zu – Bilder, die „Opferschemata“ bedienen, verstärken dieses Risiko.
02
Auf der Straße fehlt die Tür, die man hinter sich schließt. Wer schläft, ist wehrlos; wer ausgeliefert ist, kann nicht frei entscheiden, ob ein Foto okay ist. Viele wissen nicht, was eine Veröffentlichung im Netz bedeutet – und schon gar nicht, dass diese Bilder praktisch nie wieder verschwinden.
03
Gut gemeinte „Giveaway-Videos“ oder gefühlige Posts machen Bedürftige zur Kulisse. Es entsteht ein Bild: „arm = Objekt“. Das verletzt Würde und verschiebt Grenzen – auch bei Zuschauenden, die sich daran gewöhnen, Leid als Content zu konsumieren.
04
Wer draußen schlafen muss, hat dort seinen intimsten Rückzugsort. Das zu filmen oder zu fotografieren, verletzt Privatsphäre – unabhängig davon, ob ein Gesicht zu sehen ist.
(„Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs… durch Bildaufnahmen“): schützt Menschen vor Bildaufnahmen in Situationen, in denen sie in ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich betroffen sind.
(Recht am eigenen Bild): Bilder dürfen grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Entscheidend ist Identifizierbarkeit, nicht nur, ob das Gesicht erkennbar ist.
Wichtig!
Eine „Einverständniserklärung“ ist nur dann sinnvoll, wenn sie freiwillig, informiert und verstanden ist. Im Kontext von Not, Abhängigkeit oder Gegenleistung (Essen, Geld, Kleidung) ist echte Freiwilligkeit fraglich.
„Würde wahren“ will kein moralischer Zeigefinger sein, sondern eine konkrete Präventionsstrategie:
Aufklärung braucht Bilder, nicht Betroffene. Nutzt neutrale Motive, Illustrationen, Infografiken, Stadtansichten ohne Personen, stattdessen Geschichten über Strukturen, Ursachen, Lösungen.
Nur wenn die Zustimmung informiert, freiwillig und ohne Abhängigkeit erfolgt ist. In Notlagen ist das oft nicht gegeben. Außerdem bleibt ein Folgerisiko: Das Netz vergisst nicht; Kontexte ändern sich.
Im Ernstfall: Erst helfen, dann dokumentieren – wenn überhaupt. Beweise sind eine Ausnahmesituation (z. B. für Ermittlungsbehörden), gehören aber nicht ins Netz.
Zeigt Euch: Team, Lager, Fahrzeuge, Handgriffe, leere Becher, neutrale Symbolbilder, Logistik, Statistiken, Zitate (anonymisiert). Wirkung lässt sich auch ohne Gesichter messen und kommunizieren.
die Idee hinter „Würde wahren“ – online und offline.
die fotografieren oder filmen – freundlich, bestimmt, mit Verweis auf Rechte und Risiken.
in sozialen Netzwerken.
in Schulen, Vereine, Redaktionen, Kirchen, Stadträte.
(Flyer/Aufkleber) und platziere sie sichtbar.
Organisationen, die ohne Bloßstellung helfen.
Wir verpflichten uns
keine identifizierbaren Bilder von obdachlosen Menschen zu veröffentlichen
Schlaf-/Rückzugsorte grundsätzlich nicht zu zeigen
Einwilligungen nur unter fairen Bedingungen und mit echter Informationslage einzuholen
bei Berichten Kontext und Lösungen zu priorisieren
Betroffene niemals als „Fall“ oder „Kulisse“ zu instrumentalisieren
Mitarbeitende zu schulen und Verstöße konsequent zu ahnden
Hilfe darf nicht an Bedingungen geknüpft sein – schon gar nicht an Öffentlichkeit. Menschlichkeit ist leise, respektvoll, zugewandt. „Würde wahren“ ist deshalb kein Verbot, sondern eine Einladung: bewusst hinzusehen, zu helfen, zu schützen – ohne Menschen zu Objekten zu machen. Wer Bilder vermeidet, rettet nicht nur Gesichter, sondern mitunter auch Leben.
Weitere Informationen, Materialien, Unterstützungsmöglichkeiten und Kontakt:
UNSICHTBAR e. V. – Kampagne „Würde wahren – Respekt statt Objektiv“
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